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1. Blogeintrag aus Nicaragua 2016/17

Autor/in: ww-Nicaragua - Datum: 23.11.2016

Anzahl Bilder: 2 - 

Hei-di-ho an alle weltwärcitos, econturcitos und an alle anderen, die aus irgendeinem Grund diese Zeilen lesen,

es ist Zeit für einen ersten Statusbericht. Um vermutlich vielen eine stinklangweilige Lektüre zu ersparen, rücke ich am Besten gleich damit raus: Der Schwerpunkt dieses Eintrags liegt auf meiner Arbeit (bin ja nicht auf Urlaub hier, wa? ;) ) – meine Eindrücke zu anderen Dingen (wie z.B. der „kleinen“ Amerika-Wahl) gibt’s vllt. im nächsten Blogeintrag oder im Bericht, weil’s diesmal ansonsten ein bisschen viel geworden wär‘…

Nun denn… Sieben Wochen weile ich schon in Nicaragua und ich kann behaupten, dass ich in dieser Zeit einen Montón gelernt habe (ich finde ja, dieses Wort ist so lautmalerisch, dass es keiner Übersetzung bedarf…).
Lessons learned (Auszug):
1) Man schwitzt.
Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit: sofern nicht Freund Ventilator (oder, seltener, Freundin Klimaanlage) eingreift, schwitzt man. Um zu verhindern, nächtens in der eigenen Soße zu schlafen (zumindest bis zu deren Zerstäubung durch den selbstverständlich die ganze Nacht laufenden Zimmer-Ventilator), ist es unabdingbar, zwischen der Dusche und dem Hechtsprung aufs Bett eine minimale Zeitspanne verstreichen zu lassen.
… Drei Minuten Zähneputzen nach dem Duschen? – Schon verloren…
… Oder gar ein nächtlicher Spaziergang? – Nur, falls man das Gefühl liebt, gerade Hochleistungssport betrieben zu haben.
Auch immer eine sehr interessante Erfahrung, dass ich schon immer ziemlich durchnässt bin, wenn ich morgens zur Arbeit erscheine und noch keinen Strich getan habe (außer meinen Körper von A nach B zu wuchten).
2) Sollte sich dein Arbeitsplatz in der Nähe eines Schlachthofs befinden, erkläre das, was du tust, in folgender Reihenfolge: 1.: Deine Tätigkeit. 2.: Den Ort deiner Tätigkeit; hier: in der Nähe eines Schlachthofs (ggf. kann auf Punkt 2 komplett verzichtet werden).
Solltest du diese Reihenfolge aus irgendeinem Grund vertauschen, könnte dies zur Folge haben, dass du bei einigen Personen fortan als ‚Der Butcher‘ bekannt bist.
3) Die kleine Kolonialstadt León ist tatsächlich so cool, wie alle sagen – und die Hauptstadt Managua ist tatsächlich so kacke, wie alle sagen…
(Was z.B. sehr bezeichnend für die jeweilige Position der beiden Städte auf meiner persönlichen Beliebtheitsskala ist: Die Managuaner Hunde begrüßen einen mit aggressivem Gekläffe – die aus dem Großraum León mit einer Ghettofaust…)
4) Aus schlachthoftechnischen Gründen esse ich mittlerweile kein Fleisch mehr, und ich muss sagen – das geht (auch auswärts) unerwartet gut, allen Horrorszenarien zum Trotz, die ich diesbezüglich im Vorfeld gehört habe. Die Comedores (dt. „Esszimmer“ = kleine + günstige Restaurants auf Buffet-Basis) bieten einen Montón an vegetarischen Beilagen zu ihren Fleischgerichten an.

So, wie versprochen nun der ellenlange Text zu meiner Arbeit.
... Moment, nicht so schnell: erstmal werden ein paar Vokabeln gepaukt!
*DEWATS-Anlage, die; Kleinkläranlage, bei der man die Energiezufuhr von außen möglichst gering halten will. Dementsprechend beruht die Wirkungsweise einer solchen Anlage normalerweise nur auf Gravitation (da kein Pumpenbetrieb erwünscht) sowie mechanischem (Filter, Sedimentation, Flotation) und biologischen Reinigungsstufen. Letztere ist hauptsächlich anaerob, da aus genanntem Grund auf eine künstliche Belüftung der Reaktorbehälter ebenfalls verzichtet werden soll ("natürliche" Belüftung, also z. B. via Pflanzenfilter oder durch reine Exposition an die gute, alte Frischluft, ist aber möglich und stellt oft das abschließende Modul der Anlage dar).
*Baffled-Reaktor, der; anaerober Reaktor, in dem der Großteil des biologischen Abbaus in einer DEWATS-Anlage stattfindet; durch Einbauten von unten nach oben durchströmt, der besseren Durchmischung von einströmendem Abwasser und dem im Reaktor vorhandenen Belebtschlamm (= Schlamm mit Bakterien); hier bestehend aus sieben vier Meter tiefen Kammern, von denen die letzten beiden einen anaeroben Vulkansteinfilter beinhalten.
*Nexus, der/ die/ das; heißt so viel wie "verknüpfen": in diesem Fall meint es das Schließen von Stoff- und Wasserkreisläufen, sprich die Wiederverwendung von "gebrauchten" Stoffen, Wässern, etc.

Nun denn, meine ersten 8, 9 Tage in Nicaragua verbrachte ich, recht geruhsam, auf dem Uni-Campus in Managua, auf dem sich auch das BORDA-Büro befindet. Es gab noch nicht viel zu tun für mich, was mir aber ganz recht war: So konnte ich ankommen, klarkommen – und vor allem in das DEWATS-Universum eintauchen (ich sagte DEWATS-Universum, nicht DEWATS-Anlage! (hihi...))
Anschließend zog ich nach León und dann ging es auch richtig mit dem Projekt los.
BORDA hat vor ein paar Jahren begonnen, am öffentlichen Schlachthof in León im Zuge eines Nexus-Projekts eine DEWATS-Anlage zu bauen. Dabei sollen die Abwässer behandelt werden, die durch Schweine- bzw. Rinderschlachtung sowie aus der Pansenwäsche anfallen (insg. ca. 30 m³/d). Inklusive aller Erweiterungen besteht die Anlage mittlerweile aus einem Settler (= Sedimentationsbecken mit biologischem Abbau) für das Abwasser aus der Schweine-Schlachthalle (23 m³), sowie einem Settler für die Rinder-Schlachthalle (19m³). Es folgen ein Baffled-Reaktor, sowie ein Pflanzen-Kiesfilter (175 m², 50 cm dicke Kiesschicht).
Du meinst, ein Nexus-Projekt wäre ziemlich unnexy, würde man das behandelte Abwasser nicht auch für die Bewässerung von Gemüse und Zierpflanzen verwenden, und diese anschließend verkaufen?
… da hat aber jemand seine Hausaufgaben gemacht! Du hast Recht, genau das tut man hier. Außerdem wird Dung und Panseninhalt zu Kompost verarbeitet, den man ebenfalls verhökert (teilweise normal, teilweise „veredelt“ mittels Regenwurm-Kultivierung).
Und was ist eigentlich mit diesem Biogas – gibt es da nicht auch etwas von diesem Dewatz?
Na, aber sicher! Biogas wird in beiden Settlern sowie im Baffled-Reaktor produziert, aufgefangen und in Speichertanks weitergeleitet. Allerdings dient es bisher nur dem Eigenbedarf.
So weit, so theoretisch. Praktisch kommt das Wasser (zumindest aus dem Rinder-Settler) am Ende rot raus (DANKE, Merkel!!11). Und in allen Reaktoren wächst binnen kürzester Zeit eine mit Fleisch-etc.-Pfui-Deifi-Stücken gespickte Schwimmdecke heran (was ganz was Feines für die Nase, kann ich nur sagen…), weshalb regelmäßig der ganze Schlonz abgepumpt werden muss. Ab und zu brechen wir die Schwimmdecke auch händisch auf, was viel Schweiß und Tränen kostet, so dass man sich zwangsläufig die Frage stellt:
https://www.youtube.com/watch?v=bvECW3KViRY
Wie bitte? Nein, diese Frage stellt sich natürlich nicht! Also nochmal:
… so dass man sich zwangsläufig die Frage stellt:
Kann man denn da gar nix gegen machen?
Na, aber sicher! Generell gelten Schlachtabwässer zwar als schwerer abbaubar als Haushaltsabwässer – allerdings gibt es durchaus Beispiele von funktionsfähigen Anlagen. Eine Hauptursache für die Probleme der hiesigen Anlage ist höchstwahrscheinlich der mangelhafte mechanische Rückhalt im Anschluss an die Rinder-Schlachthalle: Die erste Stufe (ein Gitter) ist zu grob, so dass sogar die großen Feststoffe durchfallen – der zweite Filter ist zu fein, weshalb er schnell verstopft, überläuft und die Fleischreste und Knochenstücke in die Anlage gespült werden. Würden das Feinsieb sowie die folgenden Auffangkörbe täglich gereinigt (was sie nicht werden), wäre zwar vermutlich schon ein bisschen was gewonnen – aber die Siebe sind schwer zugänglich und die Reinigung eigentlich wenig zumutbar.
Des Weiteren hat die Anlage noch mit anderen schwer abbaubare Stoffen zu kämpfen, wie zum Beispiel mit Blut, Fett und dem faserigen, teilweise unverdauten Inhalt aus der Magenwäsche (welche zusammen mutmaßlich die elenden Schwimmdecken bilden).
Außerdem Kandidaten bei der Suche nach den Schuldigen: Die geringe Verweilzeit, auf die die Anlage ausgelegt ist, sowie eventuell ein nicht sehr belebter Belebtschlamm.
Konkret muss also zum einen der Kreis möglicher Ursachen eingeengt werden – wobei die ersten beiden Überlegungen ziemlich sicher zutreffen. Die Frage, ob Verweilzeit und/ oder Belebtschlamm in der Anlage nicht ausreichen, ist jedoch in unseren Augen fragens- (und klärens-)wert: Weshalb wir bereits einen Biogas-Versuch durchführten (sprich, die Biogas-Produktion von Proben aus dem Baffled-Reaktor maßen) und außerdem ein Experiment zur Abbaubarkeit von Blut geplant ist (mit einer Art „Referenz“-Belebtschlamm im Vergleich zu dem, der in unserer Anlage vorhanden ist).
Generell ist aber davon auszugehen, dass aufgrund der Riesenmenge an Feststoffen aus der Rinder-Schlachthalle, mit der die Anlage zu kämpfen hat (sichtbar an den Schwimmdecken z.B.), ein weiterer Settler notwendig ist.
Weiterhin geht es momentan darum, für jedes geplante Anlagenmodul (mitunter eine verbesserte Rechen-/ Siebanlage, ein Fettfang und ein Modul zur Abtrennung des Panseninhalts vom restlichen Stoffstrom) mögliche Varianten und Standorte durchzuspielen, die besten auszuwählen, sowie Pläne zu zeichnen.
Ansonsten sind Späße wie Inventur, Marketing (die Verkaufszahlen von Gemüse & Co. sind nicht so wie gewünscht), etc. zu betreiben.
Achso, ja, Freizeit gibt’s natürlich auch, aber die kann man gut in zwei Wörtern zusammenfassen: Endless Summer… :)

Ich wünsche eine gute Zeit!

Dein/ Euer/ Ihr
ww-Nicaragua

Alvin im Weserkurier

Autor/in: B.Rix - Datum: 21.11.2016

Das econtur Team hat letzte Woche mit den Incoming Freiwilligen and der Städtepartnerschaftskonferenz der EZ Bremen teilgenommen. Alvin unserer Freiwilliger aus unserer Partnerstadt Durban hat es direkt in die Berichterstattung der lokalen Weserkuriers geschaft, auch wenn nicht alle Details korrekt wieder gegeben wurden;)

Anzahl der Einträge: 196 - Ergebnisse 1 bis 2


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